deniz utlu

(c) Heike Steinweg
(c) Heike Steinweg

Deniz Utlu, *1983 in Hannover, schreibt Romane und Essays. Er forscht am Deutschen Institut für Menschenrechte und veranstaltet am Maxim Gorki Theater die Literaturreihe »Prosa der Verhältnisse«. Deniz Utlu lebt in Berlin.

In seinem neuen Roman GEGEN MORGEN erzählt Deniz Utlu von einer tiefen Erschütterung und fragt, was uns ausmacht: was wir getan haben oder was wir versäumt haben zu tun. In flirrenden Bildern spürt er also den Versäumnissen und Potentialen eines Lebens nach sowie der Menschlichkeit, die da beginnt, wo wir nicht auf uns selbst, sondern auf andere achten. Der Roman findet dafür eine erzählerische Form, die verschiedene Zeiten und Orte mit Fantasien verschmelzen lässt.


Als Kara von Berlin nach Frankfurt fliegt, gerät das Flugzeug in ein schweres Gewitter. Im Angesicht des drohenden Absturzes scheint plötzlich Ramón wenige Reihen vor ihm zu sitzen. Ramón, der nie eingeladen war und trotzdem immer kam, der bei Kara und Karas bestem Freund Vince auf dem Sofa in der Küche übernachtete, bis er von einem Tag auf den anderen verschwand. Nach der Notlandung kehrt Kara ruhelos nach Berlin zurück, wo er sich auf die Suche nach Ramón begibt und damit auf die Spuren seiner eigenen Vergangenheit. Tagsüber entwirft er für die Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt, bei der er als Ökonom angestellt ist, eine Formel für die Kosten des Lebens. Aber immer mehr wird seine Studie nur ein weiterer Ort der Suche nach Ramón und nach sich selbst. Er findet den Verlorengeglaubten, den Unkalkulierbaren in einer Plattenbausiedlung und bietet ihm an, in Vince’ ehemaliges Zimmer zu ziehen. Dort bekommt Ramón eines Nachts Besuch von Fremden. Wenig später ist er wieder verschwunden. Dass es diesmal ein Abschied für immer sein könnte, wird Kara bewusst, als er ihm bis nach Paris folgt, dort aber nur mehr eine Stadt in Aufruhr findet.

»Wie schon in seinem Debütroman macht sich Deniz Utlu stark für Solidarität, genaues Hinsehen, eine radikale Verletzlichkeit. Und wieder gelingen ihm eindrückliche Bilder und Szenen.« (Der Tagesspiegel)

»Deniz Utlu hat in Gegen Morgen einen so eigenen, einen poetischen, einen schwebenden und doch welthaltigen Ton gefunden, dass man sich nur allzu gern im Hadern und Träumen seines Erzählers verliert.« (SWR)

»Virtuos jongliert der Autor mit Perspektiv- und Zeitwechseln, mit Realität und Irrealität.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

AUSZEICHNUNGEN (Auswahl)
2019 Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover
2018 Aufenthaltsstipendium im Schloss Solitude
2017 Aufenthaltsstipendium des Goethe-Instituts in Peru
2015 Aufenthaltsstipendium im Künstlerdorf Schöppingen

VERÖFFENTLICHUNGEN
GEGEN MORGEN, Roman, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2109
DIE UNGEHALTENEN, Roman, Graf Verlag, München, 2014