Wir sind verfallen. Seit damals, als Herr Frevert noch von Tütensuppen auf dem Ozean und einem Mädchen namens Evelyn sang. Später, als er das Ende der Welt besang, wollten wir, dass es genau so passiert: Dass Sirenen heulen, der Flieder nie mehr blüht und Niels uns dazu an der Ecke nachwinkt. Verfallen und verloren waren wir, als wir 7 Jahre auf ein Lebenszeichen warten mussten und dann mit „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“ ein Album erschien, dass dieses lange Warten durch seine Qualität erklärte.
Niels Frevert singt aus der Mitte. Nicht von oben und entrückt. Nicht von unten und erlegen. Er ist genau da, wo wir sind. Nur sieht er Dinge, die wir nicht sehen und findet Worte dafür, die wir nicht haben. Dies ist eine Gabe, die ihn zu einem der großartigsten Chansoniers unserer Zeit macht. Dass auch nach 3 Jahren ein Meisterwerk entstehen kann, beweist er gerade mit „Zettel auf dem Boden“. Frevert tut immer gut. Ob mit Leierkasten im Theater, Band und Streichern im Studio oder als der Typ, der zuhört, wenn man ihn zufällig auf der Straße begegnet.
Besonders gut ist er aber, wenn er allein mit seiner Telecaster und seinen Liedern, dieser Stimme, ach, dieser Stimme auf der Bühne steht. So wie heute Abend. Zwischen allen Autoren. Zum Innehalten. Und Verfallen.
Aktuelle VÖ:
2011 Zettel auf dem Boden (Tapete Records)
die Sterne sind eine Disco-Band. Und das waren sie auch schon immer. Als alle Bands in Hamburg um die Wette schrammelten und dies als Garant für ihre Authentizität hielten, hatten sie als einzige den Boogie. Und als alle nölten und schrieen, machte Spilker etwas aus der Sprache, was man fast schon als „rappen“ bezeichnen konnte. Dass er dabei mehr zu sagen hatte als alle Rapper der Stadt zusammen, wurde erst klar, wenn man vor lauter Zappeln noch Ohren an den Kopfseiten hatte. Wir lernten: Ein wahrer Discotizer ist wütend, schlau, zahnlückenbesitzend und ein wenig nachlässig. Ein ganz anderer Discokönig sang mal: „Stars directing our youth“. die sterne taten dies auch. Es mussten 8 Alben erscheinen, bis Spilker es auf der neunten auf den Punkt brachte: „Wohin zur Hölle mit den Depressionen? Ich will in die Disco! Ich will da wohnen!“
Schön, dass wir der Band und uns diesen Wunsch zumindest für heute Abend erfüllen können.
Denn jedes Kind weiß, was heute nach allen Lesungen passiert:
Dort oben werden die sterne leuchten!
Und unten leuchten wir!
Wie die Discokugeln.